Endlich wieder weg……

6 Monate nach den letzten Ferien! Eigentlich war nach Weihnachten ein Kurztrip nach Rom geplant, aber da der Bundesrat je einen PCR-Test vor der Heimreise und einen nach 7 Tage für obligatorisch erklärte, liess ich es bleiben, da war ich dann doch zu geizig dafür. Und als die Italiener für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr einen PCR-Test für die Einreise wollten, fiel auch der Tagestrip nach Mailand ins Wasser.

Auch dieses Mal gings wieder nach Italien. Ueblicherweise meide ich den Auffahrtsreisestress, aber ich hatte keine andere Wahl – bis anfangs Juli kann ich nicht mehr in die Ferien.

Ich setzte mich schon am Mittwoch vor Auffahrt in den Zug Richtung Milano Centrale, von dort gings weiter ins eine Stunde entfernte Turin. Diese Stadt stand schon lange auf meiner Liste und das verlängerte Auffahrtswochenende bot sich für ein (erstes) Kennenlernen geradezu an.

Erste Erkenntnis: Turin ist unheimlich weitläufig, man muss schon den öffentlichen Verkehr nutzen, um von Sehenswürdigkeit A nach Sehenswürdigkeit B zu kommen. Es hat zwar „Hotspots“, an denen zwei – drei Sehenswürdigkeiten beieinander liegen, aber es ist nicht so wie beispielsweise in Florenz oder Mailand, wo die meisten Sehenswürdigkeiten im gleichen Perimeter liegen oder, wie Florenz, so klein, dass man sich das Taxi bzw den Bus getrost sparen kann.

Der öffentliche Verkehr ist hervorragend – Metro, Bus, und Strassenbahn sind super aufeinander abgestimmt und man kann – Italien pur – die Tickets wie gewohnt in den Tabacchis kaufen. Ein (offizieller) Fahrplan existiert nicht, man stellt sich einfach an die Haltestelle und wartet, bis der nächste Bus/die nächste Strassenbahn kommt. Und manchmal erlebt man eine böse Ueberraschung, weil man mitten auf der Strecke aus dem Bus geworfen wird – Endstation, obwohl gar nicht Endstation ist. Aber irgendwie kommt man immer weiter.

Turin ist keine elegante Stadt mit riesigen Piazzen und vornehmen Läden. Die industrielle Vergangenheit wirkt immer noch stark nach. Selbstverständlich gibt es die EInkaufsmöglichkeiten mit den immer gleichen internationalen und nationalen Ladenketten. Aber diese beschränken sich auf zwei – drei Strassen. Daneben trifft man immer noch auf kleine Lädchen, die wirken, als seien sie völlig aus der Zeit gefallen. Die Auslagen wirken wie aus einem vergangenen Jahrhundert – ungefähr so sah es bei uns in den 60er Jahren aus. Ich finde es toll, Städte zu sehen, die noch nicht zu Tode gentrifiziert worden sind. Ein weiteres überraschendes Detail sind die Arkaden, die man überall antrifft. Unter den Arkaden gibt es unzählige Cafes und kleine bis mittelgrosse Geschäfte, die sich nicht an Tourist:innen richten, sondern an die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Ich habe mir die üblichen Sehenswürdigkeiten wie Palast, Kirchen etc pp angeguckt, auf andere wie bspw. die Mole Antonella habe ich verzichtet. Eigentlich wollte ich mir auch noch die Basilika anschauen, aber da hätte ich für einen Weg 1 1/2 Stunden in Kauf nehmen müssen und das wir mir irgendwie zu mühsam. Zudem war ich nicht mal auf dem Friedhof, was bei mir irgendwie ein Fixpunkt bei jedem Städtetrip ist.

Aaaber, dafür habe ich ein Schloss entdeckt, das bei mir höchstes Entzücken ausgelöst hat – das Jagdschloss Stupinigi. Auf italienisch heisst es Palazzina di caccia di Stupingi, dh Jagdschlösschen Stupinigi. Es diente den Herzögen von Savoyen – wie der Name sagt -als Jagdschloss. Schlösschen ist sehr sehr verniedlichend – das Schloss ist riiiiiiesig. Entdeckt habe ich es rein zufällig, da es ca 10 Kilometer ausserhalb von Turin steht. Ich habe ein Plakat für eine Ausstellung über Frida Kahlo in diesem Schloss gesehen und spontan beschlossen, mir diese Ausstellung anzuschauen. Aber als ich vor dem Schloss stand, verblasste die Ausstellung. Selbstverständlich habe ich mir das Schloss auch noch angesehen. Das Schloss Stupinigi war der eigentliche Höhepunkt meines Turinreislis. Und ich hatte das Schloss fast für mich alleine .

Hier das Schloss in seiner ganzen Pracht:

Die Aussenansicht
Das Schloss mit Garten
Der Ballsaal
Schlossherrin

Kulinarisch habe ich Turin im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen. Ich war nach dem stundenlangen Herumlaufen in der Stadt jeweils so müde, dass ich nicht mehr nach draussen mochte. Aber immerhin war ich ausgiebig am Aperöle und kam schlussendlich doch noch in den Genuss einer torinesischen Spezialität – zartschmelzende Schokolade.

Yummy

Zum Abschluss gings noch in die Pinacoteca Giovanni e Mariella Agnelli in der ehemaligen Fiatfabrik. Die Ausstellung war eher Mäh, aber die Aussicht vom Dach des Einkaufszentrums auf der Rennstrecke war phänomenal. Die Pinakothek befindet sich im Innern des Einkaufszentrums! Nachdem ich ungefähr 10 Minuten mit dem Handy in der Hand den Eingang zur Pinakothek gesucht hatte, gab ich auf und wollte ein bisschen im Einkaufszentrum herumschlendern und da stiess ich endlich auf die Wegweiser zur Pinacoteca

Ein Abstecher zum Mercato durfte natürlich nicht fehlen. Dieser Markt ist in zwei grossen Hallen untergebracht: In einer Halle findet der Lebensmittelverkauf statt, in der anderen reiht sich ein Foodstand an den anderen. Rund um die Markthallen sind Dutzende von Ständen aufgebaut, an denen alles Mögliche angeboten wird. Auch für diesen Markt hatte ich fast keine Zeit. Ich habe nur ein paar Lebensmittel (Grissini, Risotto, Salsice) eingekauft. Dies sind meine liebsten Ferienmitbringsel.

Fazit: Drei Tage sind schlicht zuwenig für Turin, es reicht grad knapp, um ein paar Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Aber Turin ist eine Stadt, in die man eintauchen muss, um sie auf sich wirken zu lassen. Das war sicher nicht mein letzter Besuch.