Verschärfung des Kundgebungsreglementes ist gescheitert

-- 13. Juni 10 --

Schon wieder eine Pleite für die bürgerlichen Scharfmacher in der Stadt: Die Stimmbevölkerung lehnt die Aufnahme des Entfernungsartikels - wenn auch ganz knapp - ab.

Dieser Artikel war unverhältnismässig, unnötig und auch praxisfremd – und dies haben uns die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt mit ihrem Entscheid nun bestätigt. Dies ist nun schon die zweite Schlappe für die Panikmache von bürgerlicher Seite und das ist gut so.

Bereits heute kann die Polizei nach Art. 29 des kantonalen Polizeigesetzes unfriedliche Kundgebungen, die die Sicherheit und Ordnung gefährden, auflösen und Demonstrierende wegweisen. Mit Artikel 292 des Strafgesetzbuches besteht die Möglichkeit, jemanden zu strafen, wer einer amtlichen Aufforderung zuwiderhandelt. Die Polizei verfügt demnach über genügend Mittel, eine Demonstration aufzulösen und an der Strafbarkeit von Randalierern würde ein Entfernungsartikel nichts ändern. Zudem richtet sich die Polizei beim Entscheid, ob eine Demonstration aufzulösen sei – ob unbewilligt oder nicht – nicht nach den Instrumenten, wie dies der Entfernungsartikel eines ist, sondern einzig und allein nach der Frage der Verhältnismässigkeit.

Es ist richtig, dass kein weiterer Papiertiger – wie es beispielsweise das Vermummungsverbor darstellt – geschaffen wurde.

Das Stimmberechtigten der Stadt Bern haben einmal mehr gezeigt, dass sie sich von der bürgerlichen Panikmache nicht beeindrucken lassen - die Stadt ist nämlich nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv gesehen, eine sichere Stadt.

Referendum gegen Schulreglement

-- 25. April 10 --

Das Referendum gegen die Teilrevision des städtischen Schulreglementes, welcher der Stadtrat am 28. Januar 2010 zugestimmt hat, ist also in letzter Minute doch noch zustande gekommen. Nun gut, gönnen wir den Bürgerlichen diesen Etappensieg, sie sind ja in letzter Zeit vom Erfolg nicht gerade verwöhnt worden.


Die Einführung der Integration in der Stadt Bern ist Umsetzung von übergeordnetem Recht – nämlich des teilrevidierten Volksschulgesetzes, das von einem bürgerlichen Grossrat genehmigt wurde. Der sogenannte Integrationsartikel sieht vor, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler die sogenannten Regelschulklassen besuchen sollen.

. Behauptung 1: Sämtliche Kleinklassen in der Stadt Bern werden aufgehoben

Die Gemeinden haben gemäss Vorgaben des Kantons zwei Möglichkeiten, diese Integration umzusetzen:

- Modell 1: Es werden weiterhin Klassen zur besonderen Förderung angeboten.
Modell 2: Sämtliche Klassen zur besonderen Förderung werden aufgehoben

Die Stadt Bern hat sich für das Modell 1 entschieden, siehe auch teilrevidiertes Schulreglement Art 2 Abs 1 lit a (….) und Art 11 a Abs 2 „Können sie in Regelklassen nicht angemessen geschult werden, besuchen sie ganz oder teilweise besondere Klassen“.

Die Behauptung der InitiantInnen, die Kleinklassen würden in der Stadt ganz aufgehoben, ist also falsch, die Kleinklassen werden nur teilweise aufgehoben.

- Behauptung 2: Eine integrative Schule, in der die SchülerInnen möglichst ohne Selektion unterrichtet werden sollen

Eine solche Bestimmung ist im städtischen Schulreglement nicht vorgesehen, diese Behauptung ist schlicht falsch. Keine der Zusammenarbeitsformen auf Sekstufe 1, die in der Stadt Bern möglich sind, verzichtet auf Selektion.

Es wurde zwar vor einiger Zeit ein „Verein für eine Schule ohne Selektion“ gegründet, dieser Verein steht in keiner Verbindung zum teilrevidierten Schulreglement

- Behauptung 3: Die Hausaufgaben sollen verboten werden und durch obligatorische Aufgabenstunden in der Schule vorgesehen werden.

Eine solche Bestimmung ist nicht Gegenstand des städtischen Schulreglementes und damit ist diese Behauptung schlicht falsch.

Von der JUSO wurde vor einiger Zeit ein entsprechender Vorstoss auf Ebene der Stadt Zürich gemacht; in der Stadt Bern war ein solches Verbot nie Thema. Fakt ist, dass sich die SP für obligatorische Ganztagesschulen einsetzt (Vorstoss Mathieu im Jahr 2007).

- Behauptung 4: Die Schülerinnen und Schüler werden in Mehjahrgangsklassen unterrichtet.

Eine solche Bestimmung ist nicht Gegenstand des städtischen Schulreglementes und damit ist auch diese Behauptung schlicht falsch.

Der Anstoss zum Projekt „Basisstufe“ ging von der kantonalen Erziehungsdirektion aus. Dieses Projekt befindet sich immer noch in der Pilotphase. Dass es Gedanken gibt, aufbauend auf die Basisstufe weiterhin in Mehrjahrgangsklassen zu unterrichten ist pädagogisch sinnvoll und deshalb folgerichtig.

Henri-Charles Beuchat, einer der InitiantInnen des Referendums gegen das teilrevidierte Schulreglement lässt sich im „Bund“ vom 21.04.2010 folgendermassen zitieren: „Der Text zum Unterschriftenbogen ist nur Begleitmusik und lässt sich vom eigentlichen Bogen abtrennen. Der Bogen selber ist von der Stadtkanzlei abgesegnet worden.» Selten hat jemand dermassen offen zugegeben, dass man es mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt, vielen Dank Herr Beuchat!

Es geht bei diesem Referendum einzig und allein darum, die Zusammenarbeitsform Manuel für sämtliche Schulen der Sekstufe 1 festzuschreiben. Aus welchem Grund es die InitiantInnen es als richtig und sinnvoll erachten, ihr Anliegen mit Hilfe von Lügen und Unwahrheiten durchzupeitschen, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich ist ihnen bewusst, dass sie ziemlich nackt da stehen würden, wenn sie offen zugeben würden,, um was es ihnen eigentlich geht, nämlich um pure Obstruktion. Da sie mit ihrer Obstruktionspolitik im Stadtrat gescheitert sind, muss diese halt in der Oeffentlichkeit weitergeführt werden.

Uebrigens weiss ich schon, was ich den Mitgliedern des Initiativkomitees zu Weihnachten schenken werde: einen Rechtschreibeduden, keiner der InitiantInnen war auf Facebook fähig, ein Statement zu schreiben, das frei von Rechtschreibefehlern war.

Nein zur Sicherheitsinitiative: Schallende Ohrfeige für die Bürgerlichen

-- 07. März 10 --

Ich gebe es ja zu: Dieses Resultat habe ich nicht erwartet. Nach der massiven Angstkampagne, unterstützt von den lokalen Medien, wäre ich über ein (knappes) Ja zur Sicherheitsinitiative nicht überrascht gewesen. Doch die Stadtberner Bevölkerung ist glücklicherweise mündig genug, um der Angstmacherei der Bürgerlichen eine klare Absage zu erteilen.

Die Häufigkeit von Gewalttaten ist gestiegen – den grössten Teil machen die Tätlichkeiten und die Körperverletzungen aus. Dieser Anstieg ist erschreckend und gibt auch zu denken. Zu denken geben auch die erhöhte Gewaltbereitschaft und die gesunkene Hemmschwelle, Gewalt auszuüben. Konflikte werden immer häufiger mit den Fäusten (Messer, Waffen etc.) und immer weniger mit Worten ausgetragen. Dies ist allerdings ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft nicht nur die Stadt Bern.

Dass es praktisch jedes Wochenende zu gewalttätigen Auseinandersetzungen vor den Clubs in der Aarbergergasse kommt,ist ebenfalls ein Problem, aber sicher nicht eines, das nur die Stadt betrifft. Es ist allerdings sehr stossend, dass die Allgemeinheit die Sicherheitskosten berappen muss, nur weil irgendwelche Idioten am Wochenende nichts Besseres zu tun haben, als sich die Birne vollzuschütten. Man muss sich überlegen, inwieweit auch die Clubs in die Pflicht zu nehmen sind.

Spannend war es, dass die Bürgerlichen im Abstimmungskampf plötzlich ihr Herz für die Angestellten entdeckt haben: als ihnen schliesslich die (wenigen) Argumente ausgingen, argumentierten sie mit den Arbeitsbedingungen für die Polizistinnen und Polizisten.......Selbstverständlich freut es uns, dass wir in Zukunft für unsere gewerkschaftlichen Anliegen auf die Unterstützung der Bürgerlichen zählen können, merciviumau......

Wir bedanken uns aber auch bei der Berner Kantonspolizei und deren Kommandanten; rechtzeitig hat er der Berner Stimmbevölkerung mitgeteilt, dass mehr Polizisten und Polizistinnen nicht primär der Stadt Bern zugute kommen sollen, was der Bevölkerung zu Recht sauer aufgestossen ist. Zudem ist nach den jüngsten Umstrukturierungen im Korps nicht mehr sichergestellt, dass der aktuelle Ressourcenvertrag von der KAPO überhaupt erfüllt wird. Die KAPO hat auf meine diesbezügliche Interpellation ziemlich nervös reagiert: Sie nahm per Medienmitteilung Stellung, obwohl sie den Text meines Vorstosses noch gar nicht kannte.

Und last but not least: Das Abstimmungsergebnis ist eine bittere Niederlage für Philippe Müller, den Co-Fraktionschef der FDP-Fraktion im Stadtrat. Aber es war an der Zeit, dass ihm die Bernerinnen und Berner die rote Karte gezeigt hat!

Schulreglement: Bürgerliche Obstruktionspolitik gescheitert

-- 30. Januar 10 --

Nach fast achtstündiger Diskussion hat der Stadtrat am letzten Donnerstag der Teilrevision des Schulreglementes zugestimmt.
Die Umsetzung des Art. 17 VSG kann nun wie geplant fortgesetzt und der vom Kanton vorgegebene Zeitplan eingehalten werden.
Der Entscheid des Stadtrates, die Vielfalt der Zusammenarbeitsformen auf Sekstufe I weiterhin zu ermöglichen, ist zu begrüssen.
Zum jetzigen Zeitpunkt hätte der Entscheid für eine einheitliche Zusammenarbeitsform eine Ueberforderung für Lehrkräfte und SchülerInnen dargestellt. Schon allein die Umsetzung des Integrationsartikels fordert von allen Beteiligten sehr viel Energie.

Mit dem Entscheid, eine Einheitsschulkommission einzuführen, bin ich nicht einverstanden und werde diesen bekämpfen.

Die vielgepriesene und vielzitierte bürgerliche Mehrheit für eine einzige, integrative und durchlässige Zusammenarbeitsform auf der Sekundarstufe I in der Stadt hat sich im letzen halben Jahr buchstäblich in Luft aufgelöst, was aber nicht wirklich erstaunt.

Erste Absetzbewegungen waren ausgerechnet schon am Tag der erstmaligen Diskussion auszumachen: an diesem Tag hat die SVP zwar den Antrag der SBK unterstützt, aber gleichzeitig einen Vorstoss mit der Forderung eingereicht, dass das Modell Manuel in der ganzen Stadt einzuführen sei. Man kann der SVP nun wirklich nicht vorwerfen, sie sei nicht flexibel! Allerdings muss ich an dieser Stelle der SVP für ihren Vorstoss danken – nun ist es endlich klar, dass das Modell Manuel nicht integrativ, sondern nur kooperativ ist.
Wir sind dem GR für seine klaren Worte dankbar, es ist nötig, dass das Kind endlich beim Namen genannt wird, und dargelegt wird, dass das Modell Manuel zwar durchlässig aber eben nicht integrativ ist. Somit dürfte die Diskussion um die Einführung von Manuel als alleinigem Schulmodell in der Stadt definitiv beendet sein, sollte man eigentlich meinen.

Fakt ist aber, dass sich SVP und FDP mit ihren Anträgen selber entlarvt haben. Damit bestätigt sich auch meine im Juni geäusserte Vermutung, dass es beim Rückweisungsantrag vor allem um Obstruktion ging und nicht um die Sache; es ist zu bedauern, dass sich auch noch andere Fraktionen zu dieser Obstruktionspolitik hingaben, offensichtlich hat man nicht gemerkt, was für ein Spiel mit ihnen getrieben wird.

Die einzigen die vor einem Scherbenhaufen stehen sind die Bürgerlichen im Stadtrat. Ihre Obstruktionspolitik ist gescheitert und das ist gut so.

Der Vorwurf, die städtische Volksschule sei in der Hand der SP ist völlig polemisch.....Fakt ist, dass die Bildungsdirektorin vom Volk gewählt ist. Die Schulkommissionssitze werden nach Parteienstärke verteilt; da ist es nur logisch, dass die SP als stärkste Partei einen Viertel der städtischen Schulkommissionssitze besetzt. Dass die Schukopräsidien fast alle von SP-Vertretungen gestellt werden, ist Zufall. Die Schulkommissionen konstituieren sich selber und offenbar leisten die SP-Mitglieder derart gute Arbeit, dass sie ins Präsidium gewählt werden. Bei dieser Konstellation ergibt es sich von selbst, dass der VSK-Präsident SP-Mitglied ist.

Reformen sind nötig, aber diese müssen zusammen mit allen Beteiligten durchgeführt werden und dürfen nicht im parteipolitischen Gezänk untergehen. Eine Zeitlang sah es aber ganz danach aus, als hätte der Stadtrat den eigentlichen Zweck der Teilrevision des Schulreglementes aus den Augen verloren –glücklicherweise erinnerte er sich noch rechtzeitig an seine Aufgabe.

Entfernungsartikel ist abzulehnen

-- 14. August 09 --

Von den VertreterInnen der Initiative wird der Entfernungsartikel schon fast als heilsbringend angeschaut. Anscheinend werden, falls dieser Artikel ins KG aufgenommen wird, mit einem Schlag sämtliche Probleme gelöst und es wird in der Stadt nie mehr zu gewalttätigen oder unbewilligten Demonstrationen kommen, dies wird ja auch mit dem Titel der Initiative suggeriert. Aber bevor wir nun vor allem im Konjunktiv argumentieren, schlage ich vor, dass wir uns vorerst an die Fakten halten.

Bereits heute kann eine Demonstration aufgelöst werden, und, wenn sich die Teilnehmenden nach der Auflösungsbekanntgabe nicht entfernen, besteht die Möglichkeit, sie zu bestrafen. Dies ist im kantonalen Polizeigesetz und in Artikel 292 StgB festgelegt. Dass Randalierende bestraft werden, ist bereits nach geltender Strafgesetzordnung möglich und wird auch angewendet. Das einzige das sich bei einer Einführung des Entfernungsartikels ändern wird ist, dass die Polizei für eine allfällige Ankündigung einer Demonstrationsauflösung nicht den gesamten Artikel 292 STgB herunterlesen müsste, sondern die Auflösung und die Aufforderung zum sich aus der Demo zu entfernen, in einem einzigen Satz formulieren müsste. Auch die KAPO ist betreffend der Wirksamkeit des Entfernungsartikels eher skeptisch und hat den Hype um diesen Artikel selber massiv relativiert. Auf der anderen Seite ist es genau diese KAPO, welchen den Entfernungsartikel vehement fordert. Einmal mehr weiss bei der KAPO die eine Hand nicht was die andere tut.

Zudem richtet sich die Polizei beim Entscheid, ob eine Demonstration aufzulösen sei, ob sie nun unbewilligt ist oder nicht, nicht nach den Instrumenten, wie dies der Entfernungsartikel eines ist, sondern nach der Frage der Verhältnismässigkeit. D.h.. dass, wenn die Polizei zum Fazit kommt, die Auflösung einer Demonstration widerspreche der Verhältnismässigkeit, die Demo nicht aufgelöst wird. Die Kantonspolizei löst eine Demonstration nur dann auf, wenn dies aus Sicherheitsgründen zwingend notwendig ist. Ob eine Demonstration aufgelöst wird oder nicht liegt nicht im Einflussbereich des Entfernungsartikels. Ausserdem darf auch eine unbewilligte Demonstration nicht einfach so aufgelöst werden, an dieser Tatsache wird auch der Entfernungsartikel nichts ändern. Wer etwas anderes behauptet, streut den Leuten schlicht Sand in die Augen.

Desweiteren ist es nicht ganz einfach, an einer Demonstration zwischen Beteiligten und Unbeteiligten zu unterscheiden, zumal in der Stadt, in welcher die Demonstrationszüge meistens während des Wochenendeinkaufes durch die Gassen der Stadt laufen. Gesetzt der Fall, jemand würde rein zufälligerweise in eine Demonstration geraten und nicht mitbekommen, dass die Polizei die Teilnehmenden unter Strafandrohung auffordert, sich von der Demonstration zu entfernen, ist man schon unverschuldet in die Bredouille geraten. Beim Entfernungsartikel ist unserer Ansicht nach die Gefahr zu gross, dass es viele unbeteiligte Leute geben wird, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Bei einem solchen Artikel unterliegt man schnell einem Generalverdacht und diese Tatsache kollidiert ganz klar mit der Versammlungs- und Meinungsäusserungsfreiheit, die uns sehr wichtig ist.

Am Vermummungsverbot zeigt sich, welches Schicksal dem Entfernungsartikel blühen wird: Es wird einfach ein weiterer Papiertiger geschaffen, den die Polizei je nach Lust und Laune einsetzen kann oder eben dann nicht.

Fazit: Mit einem Entfernungsartikel wird sich an den heutigen Gegebenheiten und Möglichkeiten rein gar nichts ändern. Dass es nur aufgrund von dem Entfernungsartikel zu weniger oder gar keinen gewalttätigen Demos geben wird, ist eine Illusion. Es reicht, wenn die bereits bestehenden Instrumente umgesetzt wird.

Halbzeitbilanz

-- 03. Juli 09 --

Mit der gestrigen Stadtratssitzung hat sich der Stadtrat in die Sommerferien verabschiedet und das ist gut so. Nach dem ersten halben Jahr in der neuen Legislatur brauchen alle mal dringend eine Pause, um den Kopf etwas durchzulüften, denn einige Köpfe begannen schon verdächtig zu rauchen.

Nachdem gestern Abend einmal mehr fast vier Stunden über die Sozialhilfe diskutiert wurde, ist zu hoffen, dass dieses Thema fürs erste erledigt ist. Seit fast zwei Jahren wird der städtische Sozialdienst, die Angestellten und die Sozialdirektorin in einer Art und Weise angegriffen, die an Mobbing grenzt. FDP-Stadtrat Philipp Müller hat es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, Edith Olibet aus dem Amt zu jagen. Sein Verhalten ist ähnlich dem eines Kreuzritters im 11. Jhd.....blind vor Fanatismus ist jegliches Mass verloren gegangen.

Niemand streitet ab, dass es in der Sozialhilfe zu Missbrauch kommen kann und auch nicht, dass die Sozialdirektorin und mit ihr der gesamte Gemeinderat, nicht immer glücklich agiert haben. Aber dies rechtferigt in keinster Art und Weise das Vorgehen von Philipp Müller.

Was gibt es sonst noch zu sagen¨über das erste halbe Jahr in der neuen Legislatur? Die neue Dynamik nacht sîch meistens nicht positiv bemerkbar, dies rührt vor allem daher, dass vor allem die BDP ihre Rolle zwar sucht, aber immer noch nicht gefunden hat. Meistens wird zwar mit markigen Worten Präsenz markiert, aber die inhaltliche Positionierung ist nach wie vor alles anders als klar. Man achtet vor allem fast ängstlich darauf, sich von der SVP zu distanzieren, aber will weder CVP noch FDP sein. Dies artet in einen ziemlichen Eiertanz aus.Der GLP würde man ab und zu mehr Gelassenheit wünschen und weniger dringliche Interpellationen.

Es stellt sich die Frage, welche (wichtigen) Entscheide letztes Jahr anders gefallen wären und mir kommt auf Anhieb kein einziger in den Sinn. Okay, die Teilrevision des Schulreglements ist wieder einmal im ersten Anlauf gescheitert, aber dies hat nichts mit der "neuen" Mitte zu tun, sondern mit der Wischi-Waschi-Politik der GFL sowie einer überforderten Kommissionsreferentin. Einzig die Tatsache, dass an Stelle von Alex Tschäppät "ein Energiefachmann" in den Verwaltungsrat von EWB (auf Antrag der GLP) und eine Immobilienfachfrau an Stelle einer dritten SP-Frau in der Betriebskommission des städtischen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik Einsitz genommen hat (auf Antrag der BDP), sind direkte Auswirkungen der neuen Leute im Parlament. Diese zwei Wahlgeschäfte haben das Parlament je 3/4 Stunden beschäftigt; ausgerechnet wegen den Anträgen von zwei Fraktionen, die sonst immer die "Effizienz" des Parlamentes erhöhen wollen.

Das wärs schon gewesen - wichtige Geschäfte wie beispielsweise die Forderung nach einem Bettelverbot oder diejenige nach einer Videoüberwachung, werden auch in der neuen Legislatur im Sinne von RG(M) entschieden.

Wie sagte doch Shakespeare: Much ado about nothing!


Trauerspiel um Schulreglement

-- 31. Mai 09 --

Es scheint, dass es der Stadtrat nicht mehr fertigbringt, ein Thema zu diskutieren, ohne seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Neuestes Beispiel ist die Teilrevision des aktuellen Schulreglements. Eigentlich geht es nur um den Vollzug von übergeordnetem Rechts; die Umsetzung des Artikels 17 des kantonalen Volksschulgesetzes, meistens genannt "Integrationsartikels". Da hat es das mehrheitlich bürgerlich dominierte Kantonsparlament (zumindest war das bis vor kurzem so) tatsächlich zustande gebracht, einen recht fortschrittlichen pädagogischen Schritt zu machen und allen Schülerinnen und Schülern das Recht auf eine Beschulung in der sogenannten Regelklasse zuzubilligen.

Der Grundsatzentscheid hierfür fiel im Jahre 2001. Man wusste also schon seit langem, was auf die Stadt zukommt und die Stadt hat auch reagiert. Bevor aber der Grossrat den endgültigen formellen Entscheid gefällt hat, konnte nichts unternommen werden. Seit 2005 werden die Lehrkräfte von den städtischen Behörden auf diesen Schritt vorbereitet. Das Projekt zur Umsetzung des Integrationsartikels in den städtischen Schulen war auch schon längst aufgegleist.

Im November 2008 wurde die Vernehmlassung zur Teilrevision des Schulreglements eröffnet, dessen Hauptpunkt die Festschreibung der Integration war. Die zuständige Kommission, die SBK, diskutierte die Anträge des Gemeinderates zuhanden des Stadtrates in ihrer Sitzung vom 4. Mai.

Die Kommission überwies den vorliegenden Vortrag des Gemeinderates mit grossem Mehr an den Stadtrat. Kaum zwei Wochen traf sich ein Teil der SBK zu einer Sondersitzung, um einen Rückweisungsantrag zu formulieren.

In diesem Rückweisungsantrag wurde unter anderem ein einheitliches Schulmodell gefordert, das sowohl durchlässig wie auch integrativ sei. Die Absicht war, dass die Stadt ein eigenes Modell erarbeiten sollte. Problematisch an der ganzen Sache ist, dass der Kanton den Gemeinden fünf genau definierte Schulmodelle zur Verfügung stellt, aus denen sie auswählen können. Die Erarbeitung eines eigenen Schulmodells sieht das übergeordnete Recht nicht vor. Nachdem dies sogar den Juristen (!) in dieser Gruppe einleuchtete, verständigte man sich in dieser Gruppe auf das Modell Spiegel.

Einerseits ist dies sicher ein Fortschritt, zumindest wenn man weiss, dass die FDP bis anhin das Modell Manuel favorisiert hat. Andererseits ist klar, dass das Modell Spiegel ein Auslaufmodell ist. Denn es ist die Absicht des Kantons, die bis dato 5 Modelle auf 2 zu reduzieren. Ob man dies gut oder schlecht findet bleibe dahingestellt. Es gilt als sicher, dass das Modell Spiegel nicht unter diesen zwei Modellen figurieren wird, denn die anfängliche Euphorie über dieses Modell ist einer gewissen Ernüchterung gewichen. Spiegel ist sicher integrativer als Manuel, es ist aber organisatorisch sehr aufwendig und ist ein Killer der Gruppendynamik. Dieser Entscheid wird in den nächsten zwei Jahren erwartet. Es ist absolut unverständlich, aus welchem Grund dieses Grüppli ein Modell durchdrücken will, das in spätestens zwei Jahren schon wieder obsolet sein wird.

Aber es geht auch nicht um Pädagogik, sondern um etwas ganz anderes. Das Sondergrüppli besteht aus den zwei FDP-Vertretern in der SBK; dem SVP-Vetreter, dem BDP/CVP-Vertreter, der, rein zufälligerweise natürlich, Kleinklassenlehrer ist, dem GLP-Vertreter, der GFL-Vertreterin, die sowohl Kommissionsreferentin wie auch Kleinklassenlehrerin ist sowie einem abgewählten SVP-Stadtrat.

Da die FDP politisch nichts mehr zustande bringt, hat sie sich halt auf Obstruktion verlegt, dies gilt auch für die Sozialhilfe. Der BDP/CVP-Vertreter ist einer der Kleinklassenlehrer, die zwar auf Stufe Kleinklasse unterrichten, aber nicht über die dafür nötige Qualifikation verfügen. Den ganzen Prozess aufhalten bedeutet deshalb auch, den eigenen Job zu retten. Der Lebensgefährte der Kommissionssprecherin ist Tagesschulleiter, daher wohl der Antrag, die Tagesschulleitungen seien nicht den Schulleitungen sondern wie bisher den Schulkommissionen zu unterstellen.

Diese Häufung von Partikalurinteressen ist natürlich rein zufällig. Es stellt sich aber einmal mehr die Frage, ob die SBK überhaupt noch funktionsfähig ist und ob man wirklich daran interessiert ist, Lösungen für anstehende Probleme zu suchen. Meines Erachtens schafft die SBK mehr Probleme als sie zur Lösungsfindung beiträgt. Ein Kommissionspräsident, der den Entscheid für das Modell Spiegel als SBK-Antrag bezeichnet, ist auch nicht sehr glaubwürdig. Die SBK hat zwar in ihrer Mehrheit für einen Rückweisungsantrag votiert, aber vom Modell Spiegel war zu dem Zeitpunkt keine Rede. Hony soit qui mal y pense






Ein Jahr Einheitspolizei: Fazit

-- 14. Mai 09 --

Wir erwarten, dass der Gemeinderat der politischen Position der Stadt in Zukunft mehr Nachdruck verschafft. Schliesslich sind wir diejenigen, welche die Leistungen der KAPO bestellen, aber auch bezahlen und dies nicht zu knapp. Wobei wir beim Thema Ressourcenvertrag bzw. die Höhe der Abgeltung kommen. Auch hier hat sich Herr Käser letztes Jahr ziemlich weit zum Fenster hinausgelehnt. Es ist schon erstaunlich, wie man einfach so behaupten kann, die Stadt Bern bezahle sowieso zu wenig, noch bevor überhaupt die Rechnung publiziert worden ist. Diese liegt inzwischen vor, aber leider fehlen konsolidierte Zahlen. Der Grossrat wird die Rechnung erst im Juni genehmigen. Ja, die Rechnung liegt über dem Betrag, der im RV festgelegt wurde. Aber – im RV ist auch festgehalten, dass frühestens nach zwei Jahren nachverhandelt bzw. neu verhandelt wird; wir sind erst in der Halbzeit. Des weiteren ist es begrüssenswert, dass der GR hier endlich Klartext redet – es ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund die StadtbernerInnen für Leistungen der KAPO pro Kopf mehr bezahlen, als beispielsweise die Thuner oder die Bieler. Es gibt sogar Gemeinden, die gar nichts bezahlen. Das Argument, die Stadt Bern beziehe auch mehr Leistungen ist zwar richtig – aber: Es war der Kanton, der die Einheitspolizei wollte, nicht die Stadt. Dies hat man von Anfang an gewusst. Auch trägt die Stadt als Kantonshauptort und Bundesstadt eine doppelte Zentrumslast. Zudem hat die KAPO etwas Mühe mit Zahlen, dies weiss man spätestens seit der Abrechnung der Sicherheitskosten für die EURO.

Aber eben: Von Neuverhandlungen des RV bezw. Erhöhung der Abgeltung kann mindestens zur Zeit nicht die Rede sein und wenn, ist das Resultat ergebnisoffen.

Fazit: Meiner Ansicht nach fällt die Bilanz nach einem Jahr Einheitspolizei eher durchzogen aus. So richtig glücklich ist mit diesem Konstrukt wohl niemand, auch der Kanton nicht, obwohl er es ja war, der dies duregstieret hat. Zudem werden wir uns nach wie vor zur Polizei äussern, ob es nun den Beteiligten passt oder nicht.

Vermietungskriterien der städt. Liegenschaftsverwaltung

-- 10. Mai 09 --

Um es vorweg zu schicken: Die SP unterstützt den Grundsatz, dass günstiger städtischer Wohnrum denjenigen Personen zugute kommen soll, die diesen Wohnraum am dringendsten benötigt.

Die Frage ist einfach die, wie dieser Grundsatz umgesetzt wird. Und hier ist die Liegenschaftsverwaltung mit ihrem Vorgehen ganz gewaltig ins Fettnäpfchen getreten. Es ist sicherlich nicht einfach, Mietvertragsänderungen durchzusetzen, der Aerger ist quasi vorprogrammiert. Aus diesem Grunde wäre es dringend notwendig, solche Aktionen sorgfältig vorzubereiten, auf allfällige juristische Fallstricke genauestens zu überprüfen und vor allem, sich genau zu überlegen, WIE man diese Aenderungen kommunizieren will.

Es geht mir an dieser Stelle nicht darum, die einzelnen Kriterien zu diskutieren, zu diesem Thema ist eigens ein Postulat eingereicht worden. Aber mein Anliegen ist es zu erfahren, aus welchem Grund sich die LV wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen verhalten hat.

Interessant finde ich, dass die Erfüllung der Vermietungskriterien seit ihrer Einführung, d.h. seit 9 Jahren, nicht ein einziges Mal überprüft worden sind. Das erklärt auch die relativ hohe Zahl der jetzt betroffenen Mieterinnen und Mieter. In meinen Augen ist das eine unglaubliche Schlamperei. Der GR argumentiert mit mangelnden personellen Ressourcen, angesichts des Scherbenhaufens, vor dem wir jetzt stehen, hätte man whs. besser in personelle Ressourcen investiert, aber eben, im Nachhinein ist man immer schlauer, hoffentlich lernt man daraus etwas.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass in der LV ein Geschäft sprichwörtlich „verbockt“ wird. Ich möchte hier nur an das Paradisli erinnern; zuerst war man offensichtlich nicht fähig, einen juristisch wasserdichten Vertrag abzuschliessen, anschliessend hat man es vor allem dank Gesprächsverweigerung geschafft, sogar einen Teil des bürgerlichen Lagers im Stadtrat gegen sich aufzubringen, und dies muss man zuerst mal fertig bringen, vor allem, wenn es sich bei der zuständigen GR um eine Person aus ebendiesem bürgerlichen Lager handelt.

Hinzu kommen Vermietungen von städtischen Liegenschaften an mehr als fragwürdige Vereinigungen.

Interessanterweise stammt dies alles aus einer einzigen Abteilung innerhalb der Liegenschaftsverwaltung und bei mir stellt sich die Frage, wie viele Pleiten und Pannen sich diese Abteilung bzw. die zuständigen Personen noch leisten können, bis dann mal evtl. Konsequenzen gezogen werden.

Es ist doch auffallend, dass die Aktionen aus dieser Abteilung nach einem bestimmten Muster ablaufen:
1. Phase: Der Beschluss wird den Betroffenen schriftlich mitgeteilt.
2. Phase: Die Betroffenen wehren sich und organisieren sich, verlangen ein Gespräch mit der LV
3. Phase: Die Presse schaltet sich ein und berichtet darüber
4. Phase: Der Chef der LV nimmt in einem Interview mit der Presse Stellung und versucht, Unklarheiten zu beseitigen
5. Phase: Frau Hayoz zieht die Notbremse

Da muss man sich nicht wundern, dass man sich im Stadtrat langsam aber sicher Gedanken über die Art des Funktionierens der LV macht.

Mir gegenüber hat der stellvertretende Chef der LV angekündigt, dass die LV in dieser Angelegenheit einen neuen Versuch starten wird. Ich möchte diese Gelegenheit nützen, die zuständige GR zu bitten dafür zu sorgen, dass das Ganze nicht wieder in das gleiche Ghetto ausufert. Wir jedenfalls werden die Angelegenheit genau beobachten und einen solchen Schlamassel nicht tolerieren. Irgendwann müssen Konsequenzen gezogen werden.

Ist die KAPO Bern auf dem rechten Auge blind?

-- 11. März 09 --

Am letzten Sonntag wollte die PNOS in Burgdorf eine Kundgebung durchführen. Die Polizei war vor Ort, beobachtete die Szene, es gab auch eine Gegendemo. Aber seltsamerweise liessen sich die PNOS-Leute nicht blicken, kein Wunder, sie waren nach Bern gefahren. Und dort konnte diese rechtsextremistische Vereinigung auf dem Bundesplatz eine Demo abhalten, ohne dass dies von der KAPO verhindert worden wäre! Offensichtlich verbindet die KAPO mit dem Berner Bundesplatz eine Art Trauma, anders kann ich es mir nicht erklären, dass die Polizei einmal mehr nicht da war, wo man sie am nötigsten gebraucht hätte. Es kann doch nicht sein, dass sich die Polizei derart übertölpeln lässt. Wenn es sich statt der PNOS-Leute um ein Häuflein Reitschüler gehandelt hätte, die auf dem Bundesplatz eine UNBEWILLIGTE Demo abgehalten hätte, wäre die Polizei sehr schnell eingefahren. Als letztes Jahr im Oktober vor der UBS am Bahnhofplatz die Gewerkschaft Unia eine Spontandemo durchführte, was nach Kundgebungsreglement der Stadt möglich ist, war die Polizei blitzschnell zur Stelle.

Szenenwechsel: Gestern fand - auch in Bern - eine bewilligte Demo auf dem Bundesplatz von Exiltibetern statt. Selbstverständlich war die Polizei sofort zur Stelle, um die chinesische Botschaft abzuriegeln und den Demozug aufzulösen. Offenbar hat die KAPO inzwischen den Weg von Burgdorf zurück nach Bern gefunden, wir sind erleichtert!

Meinungsäusserungsfreiheit - in eigener Sache

-- 08. März 09 --

Diese Blogeinträge widerspiegeln meine persönliche Meinung, die sich nicht unbedingt immer mit der offiziellen SP-Haltung deckt. Diese Freiheit nehme ich mir.

Es muss sich also niemand darüber aufregen oder sogar gewisse Einträge ausdrucken und diese an Partei- oder Fraktionsleitung weiterleiten, wie dies beispielsweise mit Facebook-Einträgen von mir geschehen ist.

Immerhin ist die Meinungsäusserungsfreiheit in der Schweizerischen Bundesverfassung verankert und deshalb gehe ich davon aus, dass diese auch für Mitglieder der SP der Stadt Bern gilt.

Progr oder nicht Progr - das ist hier die Frage

-- 06. März 09 --

Der Stadtrat hat entschieden - es wird das Volk sein, das entscheiden wird, ob der Progr der KünstlerInnenvereinigung oder Allreal verkauft wird.

Doch dieser Entscheid ist eigentlich völlig irrelevant - denn wir stehen schon jetzt vor einem Scherbenhaufen. Die SVP droht mit einer Verwaltungsbeschwerde, die evtl. eine aufschiebende Wirkung betreffend Volksabstimmung zur Folge haben wird - was den Verkauf des Progrs auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben könnte. Derweil stehen Sanierungskosten in der Höhe zwischen 10 und 20 Millionen an, welche sich die Stadt schlicht nicht leisten kann. Auf der anderen Seite überlegt sich Allreal den Rückzug aus dem Verfahren.

Das Projekt der KünstlerInnen überzeugt vom Inhalt her, aber, die Finanzierung ist mittel- und langfristig nicht gesichert. Auch ist es äusserst stossend, dass sich die massgeblichen GeldgeberInnen immer noch nicht geoutet haben. Zudem würde es mich brennend interessieren, aus welchen Motiven die CS einen Kredit von 5.5 Mio Franken zusichert, sicher nicht aus reiner Barmherzigkeit. Aber dies scheint die KünstlerInnen nicht zu interessieren.
Das Projekt "Doppelpunkt" ist an Bünzligkeit nicht zu überbieten, schade, dass man nicht genau weiss, was sonst für Projekte im Wettbewerb waren.

Wettbewerbsausschreibungen, in denen schon zum vorneherein die Nutzung bestimmt ist, was von verschiedenen Seiten gefordert wird, sind unsinnig. Dies wird die Reihe allfälliger InteressentInnen noch mehr einschränken, etwas, das sich die Stadt schlicht nicht leisten kann.

Die Stadt hat schon jetzt in Investorenkreisen nicht den besten Ruf, vor allem deswegen, weil sich der Stadtrat eher aus VertreterInnen von Partikalurinteressen zusammenzusetzen scheint und sich offenbar nicht gross Gedanken darüber macht, was denn eigentlich für die Stadt die beste Lösung ist. Aber vielleicht bin ich auch einfach naiv.
Aber auch der Gemeinderat ist an diesem Scherbenhaufen nicht unschuldig: Das Geschäft ist ein völliges Gemurkse und eigentlich total ungeniessbar.

Aus meiner Sicht gibt es hier nur eins: Zurück auf Feld eins! Dies bedeutet ganz einfach Neuausschreibung des Wettbewerbs. Aber diesen Mut hatte der Stadtrat nicht, obwohl: schlimmer kanns nicht werden!



Herzliche Gratulation Esther Waeber-Kalbermatten!

-- 03. März 09 --

Endlich - das Wallis hat zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Frau in die Kantonsregierung gewählt, etwas, das längst überfällig war. Es freut mich natürlich doppelt, dass mit Esther Waeber-Kalbermatten eine SP-Frau die Männerbastion geknackt hat.

Dass das Wallis als letzter Kanton eine Frau in die Regierung gewählt hat ist nicht ein Ausdruck von Frauenfeindlichkeit der Walliser Bevölkerung. Die lange alles dominierende C-Partei im Kanton hätte es schon seit langem in der Hand gehabt, eine Frau als Staatsrätin zu nominieren - sie wäre sicher gewählt worden. Aber die selbsternannte Familienpartei hat es nicht fertiggebracht, ihre Slogans in der eigenen Partei umzusetzen. Noch letzten Herbst haben aber ie Delegierten der CVP eines Bezirkes im Unterwallis einer Frau die Nomination als Kandidatin verweigert. Es hing von ihnen ab, ob eine zweite Frau in die Walliser Regierung einzieht - aber sie wollten nicht. Ein Kommentar erübrigt sich.

Reitschule - einmal mehr

-- 19. Februar 09 --

Während ich diesen Eintrag schreibe, steht Erich Hess am Rednerpult im Stadtrat und hat die Reitschule als "Zentrum von Terroristen" bezeichnet. Bis anhin war es der Fall, dass Herr Hess meistens erst nach der Stadtratspause ein Bier zuviel getrunken hat........

Der Rat debattiert - einmal mehr - über die Reitschule. Neu an dieser Debatte sind nicht die Voten, die bis jetzt gehalten wurden, ich habe nichts Neues gehört, sondern die Tatsache, dass die Forderungen nach mehr Repression der IKUR gegenüber aus den Reihen von "RGM" kommt, ähem. Es ist wirklich zu bedauern, dass Erik Mozsa in der Reitschule tätlich angegriffen wurde, aber dies ist noch lange kein Grund, als Reaktion darauf eine Motion einzureichen. Persönliche Betroffenheit war noch nie ein guter politischer Ratgeber.

Die Forderungen, die Erik Mosza in seiner Motion stellt, sind kurzfristig allesamt nicht umsetzbar...eigentlich sollte er dies wissen, vielleicht sollte die Motion ja auch nur ein bisschen provozieren, aber nicht allzu sehr wehtun. Denn, auch wenn die Motion vom Stadtrat überwiesen wird, wird sich - mindestens kurzfristig zumindest - nichts ändern. Die Forderungen liegen alle im Kompetenzbereich des Gemeinderates, zudem läuft der aktuelle Leistungsvertrag mit der IKUR bis 2011. Brenzlig wird es erst dann, wenn es um den Abschluss eines neuen Leistungsvertrages gehen wird. Denn angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat kann sich die IKUR nicht mehr allzu sicher sein, dass die Stadt mit ihr wieder einen Leistungsvertrag abschliessen wird.

Ich werde heute abend der Motion Mosza zustimmen, nicht, weil mich die Forderungen überzeugen, was ich von diesen halte habe ich dargelegt. Nein, ich stimme den Forderungen zu, weil es höchste Zeit ist, dass die IKUR endlich den längst fälligen Schuss vor den Bug bekommt. Denn was sich die IKUR leistet, ist nicht mehr akzeptabel. Trotz unzähligem Nachhaken seitens der Stadt werden die Vereinbarungen nicht eingehalten und werden durch das Verhalten der IKUR zur Farce. Wenn die IKUR nicht endlich die Notbremse zieht, wird es irgendwann zu spät sein.

Ein Gedicht für Obama

-- 20. Januar 09 --

Each day we go about our business, walking past each other, catching each others' eyes or not, about to speak or speaking. All about us is noise. All about us is noise and bramble, thorn and din, each one of our ancestors on our tongues. Someone is stitching up a hem, darning a hole in a uniform, patching a tire, repairing the things in need of repair.

Someone is trying to make music somewhere with a pair of wooden spoons on an oil drum with cello, boom box, harmonica, voice.

A woman and her son wait for the bus.

A farmer considers the changing sky. A teacher says, "take out your pencils. Begin."

We encounter each other in words, words spiny or smooth, whispered or declaimed; words to consider, reconsider.

We cross dirt roads and highways that mark the will of someone and then others who said, "I need to see what's on the other side. I know there's something better down the road."

We need to find a place where we are safe. We walk into that which we cannot yet see.

Say it plain, that many have died for this day. Sing the names of the dead who brought us here, who laid the train tracks, raised the bridges, picked the cotton and the lettuce, built brick by brick the glittering edifices they would then keep clean and work inside of.

Praise song for struggle. Praise song for the day. Praise song for every hand-lettered sign. The figuring it out at kitchen tables.

Some live by "Love thy neighbor as thy self".

Others by first do no harm, or take no more than you need.

What if the mightiest word is love, love beyond marital, filial, national. Love that casts a widening pool of light. Love with no need to preempt grievance.

In today's sharp sparkle, this winter air, anything can be made, any sentence begun.

On the brink, on the brim, on the cusp - praise song for walking forward in that light.

Dieses Gedicht wurde von Elizabeth Alexander anlässlich der Vereidigung von Barack Obama zum ersten schwarzen Präsidenten der USA vorgetragen


Sitzordnung im Stadtrat

-- 17. Januar 09 --

Die politischen Prioritäten der CVP/DP-Fraktion scheinen gesetzt: Das Wichtigste ist offenbar die Platzierung im Ratssaal. Erstaunlicherweise entdeckt die CVP erst jetzt ihr Herz für die räumliche Mitte; ich kann mich nicht erinnern, dass die CVP-StadträtInnen in den letzten acht Jahren ein dringendes Bedürfnis verspürt haben, neben oder hinter der FDP zu sitzen.

Die Angriffe der CVP-Co-Fraktionschefin an den Ratspräsidenten sind total deplatziert. Aber es kommt des öftern vor, dass man als Politneuling das Gespür für die wirklich relevanten Fragen noch entwickeln muss; die Situation ist also nicht gänzlich hoffnungslos.
Nach Geschäftsreglement des Stadtrates liegt die Sitzordnung in der Kompetenz des Ratspräsidenten und dieser ist nun mal Mitglied der FDP. Als Mitglied des Ratsbüros habe ich an der Sitzung, an der diese Frage entschieden wurde, mitdiskutiert. Da ich ans Kommissionsgeheimnis gebunden bin, kann und will ich über den Verlauf der Diskussion keine Auskunft geben. Ich kann nur soviel sagen: Wir haben über diese Frage sehr sachlich und ohne grosse Emotionen diskutiert und der Ratspräsident hat sich die Empfehlung der Mitglieder des Ratsbüros zu eigen gemacht.

Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die CVP/BDP-Fraktion vor allem mit ihrer Politik beweisen muss, dass sie eine Mittepartei ist; wo man im Ratssaal sitzt ist nun wirklich zweitrangig. Wenn man der Logik der CVP/BDP-Fraktion folgen würde, so würde dies bedeuten, dass die jetzige Sitzordnung nicht korrekt ist. Die versammelte Linke müsste demzufolge mit der SVP plus die Plätze tauschen..............

Wenn die CVP/BDP-Fraktion in die wirklich wichtigen Fragen auch so viel Energie investiert wie in die Sitzordnung im Ratssaal, kann sich die Stadt freuen.

Beginn der Legislatur 2009 - 2012

-- 16. Januar 09 --

Gestern abend war es soweit: Urs Frieden, der 2. Vizestadtratspräsident, läutete um Punk 17.00 Uhr die neue Legislatur ein. Diese bescherte mir schon zu Beginn einigen Stress: Als neu gewähltes Mitglied des Ratsbüros musste ich in meiner Funktion als Stimmenzählerin zweimal in Aktion treten. Des weiteren entschied ich zusammen mit den anderen Mitgliedern des Ratsbüros über die Dringlichkeit zweier Vorstösse. Ueblicherweise wird im Stadtrat mittels einer elektronischen Anlage abgestimmt. Diese musste aber wegen der neuen Sitzordnung im Rat neu programmiert werden. Ich hoffe nur, dass die Abstimmungsanlage nicht zu oft ausfällt, denn das Zählen mittels Handerheben ist ziemlich stressig.

Der neue Rat bietet ein ungewohntes Bild: Die FDP-Fraktion ist auf ein mageres Häuflein zusammengeschrumpft, auch die SP-Fraktion nimmt nur noch drei Reihen ein; in der vierten Reihe sitzen nur noch 2 SP-Leute, vor acht Jahren war die ganze Reihe durch die SP besetzt.

Mit der neuen Zusammensetzung, vor allem dem Gedränge in der (politischen) Mitte werden die Stadtratsdebatten sicher wieder spannender und es wird nicht immer von Beginn weg klar sein, wie die Entscheide ausfallen. Das ist eigentlich als positiv zu werten, denn so wird das Ganze wieder spannender.............

DAS Thema in den Medien war aber die Frage, ob Erich Hess zum Präsidenten der PVS gewwählt wird. Ich wundere mich über die Prioritätensetzung........Herr Hess selber konnte die ganze Aufregung nicht so recht verstehen, er sei doch im letzten Jahr doch anständig gewesen. Ich weiss nicht, wie Erich Hess Anstand definiert, aber die Bezeichnung von Künstlerinnen und Künstlern als "Tagediebe und Taugenichtse" hat mit Anstand nichts zu tun und dies ist nur eines von vielen Beispielen - aus dem letzten Jahr.

Dass die SVP plus Erich Hess zum Fraktionspräsidenten gewählt hat ist in meinen Augen ein klares Armutszeugnis für die Fraktion und die städtische SVP.


Zurück in der Kälte

-- 12. Januar 09 --

Als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, kam mir das Ganze ziemlich irreal vor: Anstelle von Palmen und Meer nur Schnee und Eis soweit das Auge reicht, brr, der Winter hat mich wieder!!!

Ich habe noch selten einen Flug so genossen wie denjenigen von Singapur nach Zürich. Eigentlich kann ich Langstreckenflüge nicht ausstehen, aber bei Singapore Airlines haben sogar die Economyreisenden einen Bildschirm und die Möglichkeit, sich ihr eigenes Kinoprogramm zusammenzustellen. Bollywoodfilme eignen sich besonders für 13-stündige Flüge - so hatte ich die Gelegenheit, mir drei Bollywoodfilme und einen chinesischen Blockbuster (Redcliff) anzuschauen.

Nun wartet noch das Auspacken und Aufräumen auf mich, sowie das Sortieren der Post.

Zudem freue ich mich darauf, endlich wieder selber kochen zu können. Nach 3 1/2 Wochen Reis mit Poulet/Fisch/Ente und ab und zu etwas gebratenem Gemüse gibt es heute abend einen Riesenteller Spaghetti!!!

Morgen wird mich der Alltag definitiv wieder haben, zum ersten Mal in diesem Jahr werde ich wieder im Büro sitzen.

Mit diesem Eintrag endet mein Reisetagebuch. Von nun an wird der Blog wieder dazu benutzt, um die für mich politisch relevanten Ereignisse in Stadt und Kanton Bern zu kommentieren.

Bye bye Asia

-- 11. Januar 09 --

Waehrend ich diese Zeilen schreibe, laeuft schon der Countdown, in etwas mehr als zwei Stunden werde ich meinen Heimflug antreten. Ich habe schon eingecheckt und benutze die Wartezeit nun, um mich geistig auf die - mindestens klimamaessige - Kaelte zu Hause vorzubereiten, obwohl, ich gebe es zu, ich mich auch aufs Schifahren freue. Wie ich mir sagen liess, sind die Bedingungen momentan traumhaft.

Da ich waehrend drei Wochen mehr oder weniger pausenlos unterwegs war, hatte ich gar nie so richtig Zeit, um meine Eindruecke zu verarbeiten. Ich bin gespannt auf meine Fotos (gluecklicherweise muss man nicht mehr drei Wochen warten, um diese anschauen zu koennen) und werde meine Wohnung mit einigen Souvennirs dekorieren, die mich immer wieder an diese Reise erinnern werden.


Alles in allem sind es sehr positive Erinnerungen, die ich mitnehme. Anfangs war ich schon etwas nervoes und unsicher, vor allem, weil ich zum erstenmal so lange alleine unterwegs war. Aber es lief alles bestens und die Menschen waren sehr herzlich und hilfsbereit. Zudem geht man auf eine andere Weise auf die Menschen zu, wenn man alleine unterwegs ist. Ich habe einige spannende und interssante Menschen kennen gelernt und fuer diese Erfahrung bin ich dankbar.

Meine naechste laengere Reise wird mich sicher wieder nach Asien fuehren, denn sowohl der Kontinent wie auch die Menschen faszinieren mich sehr.

Nachtrag: Heute morgen beim Packen war ich froh, dass ich noch einen Trolley gekauft habe, denn es haette schlicht nicht alles im Rucksack Platz gefunden. In Phnom Penh habe ich meinen Tagesrucksack bis oben hin gefuellt und zusaetzlich musste ich noch einen Plastiksack mitnehmen, um alles verstauen zu koennen. In dreieinhalb Wochen sammelt sich so einiges an. Mindestens hat mein Gepaeck dadurch kein Uebergewicht, bei einem Preis von 50US$ pro Kilo zusaetzlich eine gute Ersparnis. Fuer diesen Preis habe ich den Trolley gekauft, das ich immer wieder benutzen kann. So, jetzt muss ich definitiv aus dem Internet raus, das Boarding beginnt.

In einer anderen Welt

-- 10. Januar 09 --

Dass man sich in einer anderen Welt befindet, merkt man schon bei der Ankunft in Singapur. In den Terminal 1 des Changi Airport wuerden sowohl der Phnom Penh International Airport wie auch der Siem Reap International Airport zweimal hineinpassen. Als erstes stuerzte ich mich auf einen der zahlreichen Shoppingguides, die gratis zur Verfuegung stehen.

Mein Hotel hat direkten Zugang zu einer Shopping Mall, was mir durchaus entgegenkommt. Allerdings musste ich beim ersten Augenschein feststellen, dass in den Malls das gleiche Angebot wie in Europa vorhanden ist. Zudem haben mich die Preise fast "hingeregschtraehlet".......Fuer einen Cocktail muss man 15 Sing$ hinblaettern, in meiner Lieblingsbar am Strand von Sihanoukville bezahlte ich 2 US$. Okay, es ist am Clarke Square, der hippste und wohl auch teuerste Ort in einer Sradt, die sowieso schon teuer ist. Aber trotzdem, mindestens was die Preise angeht, erleidet man schon eine Art Kulturschock, wenn man nach drei Wochen Kambodscha in Singapur ankommt.

Zu sehen gibt es nicht viel: ungefaehr ein halbes Dutzend Tempel, zwei - drei Museen sowie die ueblichen Attraktionen einer Grossstadt. Zufaelligerweise bin ich im Singapore Museum of Art gelandet, nach drei Wochen Tempel ist moderne Kunst eine willkommene Abwechslung fuers Auge und dort amuesierte ich mich sehr ueber eine Videoinstallation der Genfer Kuenstlerin Sylvie Fleury.

Alles in allem ist Singapur eine eher langweilige Stadt - so eine Art Europa in Asien und das einzige das man tun kann ist Shoppen, was teilweise trotz des identischen Angebots interessant sein kann, wenn man das Glueck hat, auf eine Kombination von Rabatt, guenstigem Kurs und Tax Refund zu stossen...............